Ein Ort der Hoffnung und Stille – Die neue Kolping-Kapelle an der Asklepios-Klinik Seligenstadt
Die neue Kolping-Kapelle an der Asklepios-Klinik Seligenstadt ist eng mit der Geschichte des Krankenhauses verbunden.
Nachdem das alte Krankenhaus Ende der 1970er Jahre abgerissen worden war, verschwand auch die damalige Krankenhauskapelle. In ihr wurden über viele Jahrzehnte hinweg nahezu alle neugeborenen Seligenstädter unmittelbar nach ihrer Geburt getauft. Gleichzeitig verließen nach einem Kreistagsbeschluss auch die Ordensschwestern das Krankenhaus, die dort jahrzehntelang mit großer Hingabe ihren Dienst an den Menschen verrichtet hatten.
Über mehr als vier Jahrzehnte hinweg gab es am Krankenhaus keinen eigenen geistlichen Ort mehr. Erst mit dem Neubau der Geriatrie im Jahr 2008 entstand wieder ein kleiner Andachtsraum. Im Jahr 2014 errichtete die EVO einen neuen Trafoblock als Ersatz für die rund 100 Jahre alte Trafostation. Das alte Gebäude mit seinem Turm und dem langgezogenen Baukörper erinnerte äußerlich bereits an eine kleine Kapelle und sollte ursprünglich abgerissen werden. Aus dieser Situation entstand die Idee, das ehemalige Trafohaus in eine Kapelle für Patientinnen und Patienten, Angehörige sowie Besucherinnen und Besucher umzubauen. Bis zur Umsetzung waren jedoch zahlreiche Gespräche und Abstimmungen notwendig. Zunächst mussten alle Beteiligten – EVO, Klinik, Grundstückseigentümer und Kolpingsfamilie – von der Idee überzeugt sowie die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Dieser Prozess dauerte rund fünf Jahre.
Am Josefstag, dem 19. März 2019, wurden schließlich die Schlüssel von der EVO an die Kolpingsfamilie Seligenstadt übergeben. Mit Unterstützung zahlreicher Seligenstädter Handwerker begann anschließend der Umbau, der in weiten Teilen in ehrenamtlicher Eigenleistung durchgeführt wurde. Im Laufe der Arbeiten entstanden viele kreative Ideen. Besonders wertvoll war dabei die Möglichkeit, historische Materialien aus dem Kloster- und Museumsfundus sichtbar wiederzuverwenden. So fanden unter anderem historische Fensterscheiben aus dem Jahr 1870 sowie barocke Holzwolken aus der Einhard-Basilika ihren Platz in der neuen Kapelle. Ein besonderes Zeichen setzte Kolpingbruder Josef Ruppel, der aus Teilen der ehemaligen Kupferstromschienen ein Turmkreuz fertigte, das heute den Dachfirst schmückt. Im Inneren der Kapelle befindet sich in der östlichen Wand ein Rundbogenfenster mit dem Motiv des himmlischen Jerusalems. Eingerahmt wird es von den historischen Holzwolken, aus denen drei ehemalige Stromschienen hervortreten und entlang der Decke bis zur früheren Transformationsanlage verlaufen.
Die Gestaltung trägt eine besondere symbolische Aussage: Die Energie kommt von Gott aus dem Himmel auf die Erde und wird für die Menschen in die Stärke transformiert, die sie jeweils benötigen und tragen können. So erhält auch der Name EVO – Energieversorgung Offenbach – eine neue, spirituelle Bedeutung: „Energie von oben“. Dankbar ist die Kolpingsfamilie auch Pfarrer Stefan Selzer von der Pfarrei St. Marcellinus und Petrus, der die historische Herz-Jesu-Figur für die Kapelle zur Verfügung stellte.
Mit der neuen Kolping-Kapelle ist ein Ort der Ruhe, des Gebets und der Hoffnung entstanden. Die Kolpingsfamilie Seligenstadt freut sich, diesen besonderen Raum allen Menschen anbieten zu können, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen im Krankenhaus aufhalten. Weitere Informationen:
Kolpingsfamilie Seligenstadt – Projekt Kolping-Kapelle
Bild: Erhard Stenzinger, Kolping Kelsterbach